Buchvorstellung von Lisa Wellenzohn
Mein Vater, der in Davos aufwuchs, erinnert sich an seine Jugendjahre während des Zweiten Weltkrieges.
Geschichte, Politik und Literatur fügen sich zu einem Bild und geben Aufschluss über die Gesellschaft,
die Wirtschaft und die Armee. Der Blick richtet sich darüber hinaus auf die Schweiz und das Ausland.
Einblicke in das Buch:
Die Angestellten des deutschen Konsulats umgarnten die Davoser, propagierten den Nationalsozialismus.
Die Nazis befahlen meinem Vater, wann er im Fridericianum, der deutschen pädagogischen Knabenschule,
für einen Vortrag zu erscheinen hatte. Er ging hin, hoffend, dass möglichst keiner ihn sah. Wir Kinder erhielten
die Mitteilung, von nun an in der Hitlerjugend zu sein. Die Mittelschule Fridericianum, die von Deutschen
gegründet und geführt wurde, verschrieb sich der NS-Ideologie, war ein Aussenposten deutscher Propaganda
in Europa. An festlichen Anlässen wehte die Fahne mit dem Hakenkreuz auf dem Dach. Die Angestellten des
deutschen Konsulats umgarnten die Davoser, propagierten den Nationalsozialismus. Die Nazis befahlen
meinem Vater, wann er im Fridericianum, der deutschen pädagogischen Knabenschule, für einen Vortrag zu
erscheinen hatte. Er ging hin, hoffend, dass möglichst keiner ihn sah. Wir Kinder erhielten die Mitteilung, von
nun an in der Hitlerjugend zu sein. Die Mittelschule Fridericianum, die von Deutschen gegründet und geführt
wurde, verschrieb sich der NS-Ideologie, war ein Aussenposten deutscher Propaganda in Europa.
An festlichen Anlässen wehte die Fahne mit dem Hakenkreuz auf dem Dach.
Der Zweite Weltkrieg brachte der Schweiz über 80`000 Rückwanderer, die Hunderte von Millionen Franken
verloren hatten. Keine Versicherung übernahm die Deckung ihrer Schäden. Die Frage der Hilfeleistung an
Rücksiedler führte zu bewegten Diskussionen.1945 strömten gegen 10`000 Auslandschweizer aus
Deutschland in die Heimat zurück. Die meisten waren mittellos, hatten gegenüber anderen Flüchtlingen
nur einen Vorteil: den Schweizer Pass.
Man hiess diese Menschen nicht willkommen, sie bekamen aber in der Regel die Möglichkeit, sich in der
Schweiz ein neues Leben aufzubauen. Warnende Stimmen fehlten nicht. Die Israelitische Gemeinde
Kreuzlingen beklagte sich beim Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund, die Schweizer Remigranten
seien stark antisemitisch verseucht. Sprachen Rücksiedler kein Schweizer-, sondern nur Hochdeutsch, war
das enorm nachteilig. Eine Mundartwelle hatte ab den 1930er Jahren die Schweiz in Abgrenzung zu
Deutschland erfasst. Die Stimmung war antideutsch und das Hochdeutsche verpönt.
«KleinBerlin» ist in Deutschland und in der Schweiz in jeder Buchhandlung oder online erhältlich.
ISBN 978-3-7165-1885-4