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Unsere Empfehlung 1

 

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Porträt eines unserer Mitglieder:

Ein Wolfenbütteler therapiert japanische Suchtabhängige

Alle 18 Monate verlässt Bodo Walther sein Wolfenbütteler Zuhause, um in einen Flieger nach Japan zu steigen. Acht Wochen arbeitet er dort dann im Kibo-no-Ie, dem Haus der Hoffnung und Freude, in Osaka, um suchtkranke Männer zu beraten.

Walther ist Diakon und Sozialtherapeut im Ruhestand. Viele Jahre war er unter anderem für das Lukaswerk tätig, das zur Evangelischen Stiftung Neuerkerode gehört und auch Suchtprävention und -beratung anbietet. Dabei hatte der gebürtige Essener eigentlich Schneider gelernt. Doch durch ehrenamtliche Mitarbeit im Abstinenzverband Blaues Kreuz erkannte Walther rasch sein Interesse an Sozialarbeit. „Da, wo Not formuliert wird, ist sie anzugehen. Das wollte ich“, erinnert sich der 74-jährige an die Anfänge. Er wurde Diakon.

1980 frage ihn der damalige Oberlandeskirchenrat, ob er sich nicht vorstellen könne, in Japan ein Projekt weiterzuführen, das eine Deutsche dort aufgebaut hatte – besagtes Kibo-no-Ie eben. Nach einem langen Entscheidungsprozess und der Rücksprache mit seiner Frau sagte Walther schließlich zu. Neun Jahre blieb die Familie in Japan und ging dann der Kinder wegen zurück.

Doch der Kontakt zu den dortigen Kollegen riss nicht ab. „Mich treibt, dass die Arbeit weitergeführt wird, und die japanische Kirche braucht nach wie vor fachliche Begleitung“, so Walther. Zudem engagiert sich der Wolfenbütteler im Arbeitskreis Japan der Landeskirche und in der bundesweit agierenden Diakoniegemeinschaft.

Zwei Jahre lernte er die Sprache in einer Schule – „täglich vier Stunden vor dem eigentlichen Job und ich kann sie immer noch nicht perfekt“. Dabei beschreibt er die Arbeit mit den suchtabhängigen Asiaten als durchaus schwierig: „Man muss schon geschickt fragen, um an des Pudels Kern zu gelangen, denn Japaner haben Angst, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie etwas von sich preisgeben.“

In den neun Jahren seiner Tätigkeit am anderen Ende der Welt, so sagt Walther, habe die Partnerkirche verstehen gelernt, dass Sozialarbeit mit einer Randgruppe eine Aufgabe der Kirche ist – „wenn sie die Aussage von Jesus glaubwürdig zum Ausdruck bringen will“. Allzu oft verstehe sich Kirche nur als Ort der Verkündigung und vernachlässige das diakonische Handeln.

Deswegen, und weil Ruhestand für Walter nicht nur etwas mit Ruhe zu tun hat, will er mindestens noch 5 Jahre alle 18 Monate nach Japan pendeln – das nächste Mal wieder im Herbst.